Sunday, 19 March 2017

Island Blues und ein Burgerladen




3:30 früh am Morgen. Der Taxi Fahrer lässt mich vor dem Burger Laden aussteigen. Als hätte er genau gewusst. Auch gut so. Paar Schritte wollte ich eh noch an der frischen Luft alleine laufen. Zügig mache ich mich auf dem Weg, denn alles was ich wollte, war mich in mein Bett fallen lassen und ausschlafen, ausschlafen bis die eigene Müdigkeit selbst ausgeschlafen hat. Doch nach wenigen Schritten bleibe ich plötzlich stehen, drehe mich und überlege doch noch was kleines zu essen. Die letzte richtige Mahlzeit war eigentlich das Frühstück am Tag davor und das waren auch nur zwei, in Eile, aufgegessene Sesambrezel. Und was war noch so offen in der Nähe? Tja, dieser eine Burgerladen. Burgers um mittlerweile 03:45 Uhr morgens? Ah wieso nicht. Es schien da ziemlich viel los zu sein, als wäre es erst spät am Tag. Die Bedienung war auch fleißig am arbeiten, das Fleisch in der Pfanne zu drehen, die Salate vorzubereiten, die Pommes nochmals knuspriger anzubraten. Ich entscheide mich ziemlich schnell, ein Chickenburger mit Käse. Damit kann ich bestimmt nichts falsch machen, denk ich. Während ich auf mein Essen warte, das ich eigentlich auch mitnehmen wollte um es zu Hause wie ein Ferkelchen aufzuschlingen, setze ich mich auf einen Barhocker da und beobachte den ganzen kleinen Burgerladen. All die Menschen, die reinkommen und bestellen, betrunkene Menschen, nüchterne Menschen, müde Menschen. Alleine, Paare, kleine Grüppchen. Laut und leise. Double cheese, Rindfleisch, Falaffel, nochmals chicken burger, und eine Cola noch. Alles mögliche an Bestellungen. Der eine Mann hinter der Theke, der die ganzen Bestellungen nahm, sah ziemlich müde und verschlafen aus. Er sei auch erst aufgewacht, denn seine Arbeitsschicht ging ja erst vor kurzem los. Ich beobachtete mit meinen müden, verschlafenen Augen die Leute, die da arbeiteten und versuchte rauszufinden, wo alle herkamen. Es schien als kannten sich alle schon vorher. Ich tippe auf Indien, bin mir da aber nicht sicher. Würde gerne fragen, denn Menschen aus anderen Herkunfstländern und andere Kulturen sind immer Menschen mit einer Geschichte. Und eine Geschichte hätte ich jetzt gerne gehört. Ein lautes "Chickenburger mit Käse" bringt mich aus meiner Trance raus, denn damit wurde ja ich gemeint. Ich packte den Burger und als ich rausgehen wollte, da kam dieses Lied. Dieses eine Lied, "Koop Island Blues" von Koop, eine Einladung zum Traum. Dieses Lied erinnert mich an das Meer, an einer Hotelbar in der Nacht, an Reisen, an Mojito Cocktails, an Möwen die laut am Morgen singen und an Unbeschwertheit.  Dabei befand ich mich in einem kleinen und nach angebranntem Öl riechenden Burgerladen, mit einer Vielfalt an unterschiedlichen Menschen, eine wohl höchst absurde und witzige Situation. So verblieb ich in dieser Absurdität, setzte mich wieder auf den Barhocker, teilte der Bedienung mit, dass sei mein Lieblingslied und begann an meinem Burger zu mampfen und innerlich an Meer, Möwen, Schiffe, Erinnerungen und Wellen zu träumen. Jazz-ige Töne mit Hintergrundakustik wie "pommes fertig", "wollen sie auch was trinken?", "5 Euro bitte", "Ja, mit viel Mayo".
Das Lied und damit mein Traum neigten sich dem Ende. Ich aß mein Burger auf, bedankte mich für das Essen und die gute Musik, fragte noch ob sie die ganze Nacht aufhätten und torkelte danach so langsam, aber glücklich nach Hause, wo ich ins Island Blues fiel und schlief....schlief bis die Möwen am nächsten Morgen wieder sangen...

No comments: