Monday, 11 September 2017

Alter weiser Mann



Die Jahreszeit Herbst ist für mich eine Zeit voller Erinnerungen. Es ist die Zeit des Neustarts. Der Herbst ist wie ein weiser, alter Mann mit langem vollen Bart und mit einem schweren Mantel, gestickt mit bunten Blätter. Er spaziert langsam durch die Straßen und trägt eine Tasche voller Kastanien. Er ist wie ein Buch voller Gesichten. Deine Gesichten. Meine Gesichten. 

Der Herbst erinnert mich an die Spaziergänge mit Oma durch Hermannstadt, Hand in Hand, den Opa auf der Arbeit besuchen.  Das Haus der Großeltern befand sich in einer langen Straße mit Kastanien- und Nussbäume geschmückt. Im Herbst, eine wahre Farbenpracht.

Der Herbst erinnert mich an den ersten Schultag, wo ich mich in meine Bank gesetzt habe, in der dritten Reihe und ich meine Buntstifte vorbereitete. Wie ich mit großen neugierigen Augen meine Lehrerin beobachtete. Und wie jeder Herbstbeginn ein neues Schuljahr bedeutete. Ein Jahr älter, ein Jahr weiter.

Im Herbst habe ich angefangen Journalismus für ein Jahr zu studieren. In September vor 9 Jahren habe ich zum ersten Mal Bekanntschaft mit Wien gemacht. Die Uni Wien hat einen wunderschönen Innenhof, wo man sich in seiner Lektüre vertiefen konnte. Ich wohnte damals neben dem Prater Park, wo ich morgens um 7 Uhr joggen war. Ich liebte die frische kalte Herbstluft, die mir das Gefühl gab meine Lunge zu säubern und mein Gehirn auf Null zu schalten. Manchmal frage ich mich immer noch wie ich so früh aufstehen konnte.

Ebenfalls im Herbst, ein Jahr später, habe ich mein Medizinstudium begonnen. Ich entdeckte die Stadt Frankfurt, die mir am Anfang ganz und gar nicht gefallen hat. Doch dann verliebte ich mich in die Appelsgasse in Bockenheim, die ruhig und gepflastert war. So kam es, dass ich die nächsten 7 Jahre in Bockenheim verbringen werde.

Im Herbst vor 4 Jahren ging ich für ein Auslandssemester nach Prag. Die Stadt in der sich viele Freundschaften geknüpft haben und die Stadt wo ich ein Teil von mir wieder gefunden hab. Eigentlich die einzig beste Zeit meines Studiums.

Im Herbst vor genau einem Jahr habe ich mich in die Stadt Valencia verliebt. Sie hat mich mit offenen Armen aufgefangen und mich Ruhe und Gelassenheit gelehrt. Es ist die Stadt, wo ich das Fahrrad Fahren einfach nur noch genieße und wo der Weg zum Meer der Weg zu mir selbst ist.

Letzten Herbst habe ich meine erste Arbeitsstelle angetreten. Das war definitiv ein harter und anstrengender Herbst. Alles neu, alles viel und gefühlt alles in einer anderen Sprache. Es war ein Herbst der großen Herausforderungen und des Durchhaltens. Ein Herbst abends voller Tränen und morgens voller Hoffnung.

Nicht zuletzt hat mir der alte Herbst die Liebe und Freundschaft vorgestellt. Ein wunderschöner Oktobermorgen mit einem guten Kaffee und ein langes, gefühlsreiches Gespräch. Geschickt hat es der Herbst angestellt, schlau wie ein Fuchs und weise wie ein Greis. Ein Lächeln, ein Händedruck, eine Umarmung, der Kuss.

Der Herbst ist ein großes, endloses Buch. Und auch dieses Mal schreibe ich meine Geschichte. Und du?

Sunday, 3 September 2017

Was suchst du? Was willst du?



Sie sehnt sich nach Luft
September....ein herbstlicher Duft.
Sie schreit nach Leben
Ihr Körper ist ein kontinuierliches Beben.
Sehnsucht...
Das Gehirn tobt sich wild durch die Nacht
Es sucht nach Fragen und Antworten...
Eine ewige Schlacht.
Das Herz flackert ganz scheu
Es ist ihr immer treu.
Sehnsucht...
Ihr Blick verliert sich in die weltliche Ferne
Was suchst du? Was willst du?
Sehnsucht.....
Ihre Hand ergreift zwei Sterne.
Sie rennt und rennt und wird schneller als der Wind
Sie bleibt plötzlich stehen...atme....sei ruhig mein Kind.
Was suchst du? Was willst du?
Sehnsucht...
Sie tanzt auf tonlose musikalische Noten
Sie klammert an dir fest...wie ein Knoten.
Was suchst du? Was willst du?
Sehnsucht...
Wie ein vergangener Mandarinenduft
Wie die Symphonie der Lebensfrucht
Wie das Rauschen von Wellen im Sand
Wie mein Herz in deiner Hand
Wie der Mond und die Sonne am Himmel
Wie die Stimmen deines Lebens klingen...

Was suchst du? Was willst du?
Sehnsucht...


Sunday, 27 August 2017

Sonntag


Sonntag: Eigentlich wolltest du heute ausschlafen, denn du hast endlich mal frei. Doch Punkt 8 Uhr morgens machst du deine müden Augen auf. Die ersten Sonnenstrahlen trauen sich noch nicht so richtig in dein Zimmer reinzukommen. Was soll's, weiter schlafen bringt jetzt auch nichts mehr.

Sonntag: Du kochst dir deinen Lieblingstee: Grüner Tee mit Zitrone und schlürfst langsam daran. Du bleibst lange im Pyjama, denn jetzt hast du Zeit. Später kochst du dir noch einen Tee. Du lauschst in der Wohnung, niemand zu Hause. Du öffnest das Fenster und lauschst, niemand auf der Straße. Du atmest tief ein und spürst, dass der Sommer langsam zu Ende geht. Die letzten Tage im August....

Sonntag: Du schlürfst weiter an deinem Tee und hörst gute, entspannte Musik. Deine Gedanken fliegen durch den Raum. Du denkst an die anderen Sonntage in deinem Leben. Das regelmäßige Mittagessen mit der Familie und dem selbstgebackenen Kuchen der Omas. Die sich faul ziehende Zeit durch den Raum. Alle dösen noch. Der Wecker döst, die Bäume dösen im Wind und sogar dieser weht nur noch faul vor sich hin.

Sonntag: Du fragst dich wann du das letzte mal ein gutes Buch gelesen hast. Du richtest dein Zimmer neu ein. Du bleibst weiterhin im Pyjama. Du schaust dir alte Fotoalben an. Du lächelst, denn du erinnerst dich an all die Lächeln in deinem Leben.  Du bist aber auch melancholisch, denn du hast wieder Zeit in dich hinein zu blicken....Du hast Zeit dich zu unterhalten, mit deinem Ich.....Hallo Herz, hallo Gehirn....

Sonntag: Du trinkst unglaublich viel Tee...., du lässt dein Leben ruhen.....du lässt die Gegenstände im Raum für dich sprechen...und du fängst an wieder zu genießen....dein Pyjama, dein Toast Brot mit Marmelade, den Geruch deiner Holzmöbel, das Knistern des Papiers, das Schreiben mit der Füllfeder, der Duft vom frisch gebackenem Kuchen auf dem Nachbarsflur, das Zermahlen der Kaffeebohnen...

Sonntag: Die Sonnenstrahlen überfluten jetzt dein Zimmer....

Saturday, 1 July 2017

Dor de mare




In ultimul timp imi este un dor nespus de mare. De mirosul si muzica ei. Sa ma scald cu picioarele in apa si sa las spuma valurilor sa se imparta in mii de stropi la picioarele mele. Sa se prelinga apa sarata ca un lantisor din perle pe pielea bruna de la atata soare. Sa imi plimb mainile prin nisipul fin si fierbinte si sa umblu aplecata la mal in cautarea celor mai interesante scoici. Imi este dor sa simt miros de peste si sa aud dimineata pescarusii care stau la taclale ca babele la bloc. Sa inspir adanc mirosul algelor si a plantelor de mare si sa imi desfunde plamanii de la atata poluare citadina. Imi este dor sa ma arunc in apa si sa imi inchipui ca sunt vreo sirena minune si sa ma las dusa de valuri. Sa nu mai trebuiasca sa ma misc, doar sa stau pe spate si sa plutesc, sa privesc cerul, soarele si norii si apa sa ma inconjoare si sa-mi impleteasca parul intr-un spic. Imi este dor de pustiul diminetii pe plaja cand valurile sunt inca mici si timide ca la prima intalnire. Cand briza marii somnoroasa numai ce s-a trezit din somn si incepe a se intinde in toate directiile. Dimineata cand pescarusii inca stau cuibariti dupa o noapte lunga de taifas. Imi este dor de melodia scoicilor, sa pun ca si in copilarie cea mai mare scoica la ureche pentru a auzi mai bine ecoul marii si fosnetul apei ca frunzele in zilele de toamna, sa ascult povesti si sa-mi inchipui ca sunt si eu un mic Hemingway pe mare.  De-as putea, i-as scrie marii scrisori, i-as spune cat de mult o iubesc si cat de minunata este in toata maretia ei. I-as spune sa ma astepte, i-as spune ca as vrea sa vin mai des in vizita si sa zabovim la o cafea facuta-n ibric. 

In ultimul timp imi este nespus de dor de mare.

Tuesday, 20 June 2017

Das Schmuckkästchen



Gestern habe ich das Schmuckkästchen entdeckt, das ich vor langer Zeit von meiner Oma als Geschenk bekommen hab. Wenn ich mich richtig erinnere, war es noch während meiner Schulzeit, wo mir meine Oma das silberne Kästchen schenkte. Dazu schenkte sie mir auch ihr Schmuck, welches sie irgendwann in vergangenen Zeiten als Jugendliche oder später als verheiratete Frau getragen hat. "Heute brauche und trage ich das alles nicht mehr" meinte sie zu mir. Und während ich damals mit großen und strahlenden Augen die schönen Perlen und Ketten anschaute erzählte mir meine Oma die Geschichte zu jedem Schmuckteil, ja damals, als der Opa ihr die eine Kette geschenkt hatte, oder als sie von ihrer Mutter ihre ersten schicken Ohrringe bekam, oder ja, damals beim Treffen mit Opa. Oh ja, damals waren diese Ringe und diese Ketten voll modern....heute nennen wir es gerne Vintage. Und so war auch das kleine silberne Kästchen mit dem Elefanten drauf, Vintage. Ich trug das Kästchen mit mir durchs Leben. mit In der neuen Wohnung in der Heimat, danach in Wien und zuletzt in Frankfurt, wo es da von Wohnung zu Wohnung mit wanderte. Mit der Zeit kam immer mehr Schmuck dazu, es vermischten sich die neuen modernen Ketten mit den alten Perlen, neue mit vergangene Geschichten, bis irgendwann das Kästchen schwer wurde und nichts mehr so richtig zu finden war. So entschloss ich mich an diesen einem Sommersonntag wieder Ordnung in das Schmuckkästchen zu schaffen.

Als ich reinschaute, erwartete mich ein riesiger Knoten aus Ohrringe, Ketten und Ringe. So begann ich langsam alles auszuknoten und erinnerte mich dabei an Omas Geschichten sowie auch an meine Geschichten, meine Erfahrungen und meine Gefühle als ich zB diesen einen schwarzen Ring damals auf dem einen Flohmarkt gekauft habe. Während ich versuchte die Ketten auseinanderzubringen musste ich dabei denken, dass das Leben manchmal genau so wie dieser Schmuck in dem Kästchen ist: verknotet und manchmal nicht so leicht in Ordnung zu bringen. Dass uns oft auf unserem Wege ein Hindernis erwartet, welches wir mühsam und mit viel Geduld überwinden müssen. Wie eine schwere Perlenkette fällt das Schicksal um unser Hals. Wie ein verlassener Ohrring fühlt sich manchmal unser Herz. Doch nach langer Arbeit, Mut und auch Hingabe kommen wir auch letztendlich zu dem glänzenden Ergebnis. Und manchmal ist dieses Leben doch leichter zu leben als man denkt, es schmiegt sich an uns und hat uns lieb wie das perfekte Armband an unsere Hand. 

Nach einer Stunde entknotete ich alle Ketten, sortierte die Armbänder und die verlorene Ohrringe, brachte alle Ringe zusammen. Die Geschichten folgten wieder ihrem chronologischem Lauf und die Erinnerungen hatten wieder mehr Platz zu atmen. Ich schuff nicht nur Ordnung in meinem Schmuckkästchen sondern auch in meinen Gedanken. Ich entknotete die einzelnen Ketten und entknotete dabei mein Herz. 

Das Leben ist eine ständiges Verknüpfen und Aufknüpfen, ein Flechten und Entflechten, ein Binden und ein Aufbinden, ein Zu- und ein Aufmachen....es hängt letztendlich von jedem einzelnen ab welche Kette man heute trägt und welches Schmuckkästchen man wieder in Ordnung bringt.

Der silberne Elefant lächelte mir glücklich zu....und ich lächelte zurück. Danke, Oma.